Zwischen Umbruch und Aufbruch: Freistadt träumt vom nächsten Champions Cup-Märchen

Wenn am 6. und 7. März in der Raiffeisen Sportarena in Grieskirchen Europas Faustball-Elite beim EFA Champions Cup in der Halle aufeinandertrifft, dann geht es für die Faustballerinnen der Union Compact Freistadt darum, sich trotz einer schwierigen Saison doch noch mit Edelmetall zu belohnen.

Zweimal in Folge Österreichischer Staatsmeister in der Halle, auf dem Feld erstmals auch auf dem Feld im Endspiel – eigentlich schien es so, als ob sich die Union Compact Freistadt an der nationalen Spitze des österreichischen Frauenfaustball ganz oben festgebissen zu haben. „Wir sind mit großen Hoffnungen in die Hallensaison gestartet und haben in der Vorrunde auch wirklich starken Faustball gezeigt. Leider hat sich das Blatt dann Schritt für Schritt gewendet“, blickt Barbara Gutenbrunner auf die aktuelle Hallensaison zurück. Die 25-Jährige ist dabei ein ruhiger Pol in der Defensive und eine, die weiß, wie schnell sich eine Saison drehen kann.

Denn: Was in der Hallensaison 2025/26 folgte, war eine Abfolge von Rückschlägen: Ein Sieg wurde strafverifiziert und als Niederlage gewertet. Zudem fiel Hauptangreiferin Emilia Engleder mit Kreuzbandriss verletzt aus. „Das war natürlich ein Rückschlag. Noch schwerer wog dann aber die Verletzung unserer Hauptangreiferin Emilia Engleder. Wir haben danach als Team alles versucht, weitergekämpft und uns nicht aufgegeben. Trotzdem hat man gesehen, wie sehr uns eine Schlüsselspielerin wie ,Mimi‘ fehlt.“

Am Ende stand Tabellenplatz fünf – und das Verpassen des Final3. „Sportlich gesehen entspricht Tabellenplatz fünf natürlich nicht unserem Anspruch. Wir arbeiten jedes Jahr hart dafür, zur Spitze zu gehören“, so Engleder. Dass man das Finalwochenende nur von außen verfolgen konnte, schmerzte. „Das war definitiv eine große Enttäuschung. Wenn man zweimal in Folge Staatsmeister geworden ist, möchte man natürlich wieder um den Titel mitspielen. Gleichzeitig gehört das aber auch zum Sport dazu.“

Erinnerungen an ein magisches Jahr

Trotz verpasstem Final3 ist Freistadt beim Champions Cup startberechtigt – als österreichischer Hallen-Champion 2025. „Die Motivation ist riesengroß. Es ist jedes Jahr unser Ziel, uns international zu qualifizieren. Gegen die besten Teams Europas zu spielen, ist eine große Ehre.“ Dass das Event diesmal in Österreich stattfindet, verstärkt die Emotion zusätzlich. „Dass der Champions Cup heuer auch noch in Österreich und damit vor heimischem Publikum stattfindet, macht das Ganze natürlich noch spezieller. Solche Momente sind etwas ganz Besonderes.“

Der Blick zurück sorgt bei Gutenbrunner noch immer für Gänsehaut. Beim internationalen Hallendebüt im Vorjahr stürmte Freistadt sensationell ins Finale. „Der Champions Cup im letzten Jahr war einer der schönsten Faustballmomente meiner Karriere. Mit meinem Team aus Freistadt auf internationaler Bühne zu stehen und ins Finale einzuziehen, bedeutet mir unglaublich viel.“ Im Halbfinale rang man den TV Jahn Schneverdingen nieder – ein emotionaler Kraftakt. Erst im Endspiel musste man sich dem Serienchampion TSV Dennach geschlagen geben. „Wir haben erlebt, dass wir auf diesem Niveau mithalten können, und das gibt uns bis heute Selbstvertrauen.“

Wiedersehen mit Europas Dominator

Und ausgerechnet dieser TSV Dennach wartet nun erneut im Halbfinale. „Uns ist vollkommen bewusst, dass mit Dennach wohl die aktuell stärkste Mannschaft Europas auf uns wartet. Sie haben den Champions Cup über Jahre geprägt.“ Tatsächlich gewannen die Deutschen den Bewerb zuletzt zehnmal in Folge – eine Ära. Doch Freistadt reist nicht ehrfürchtig an. „Wir haben versucht, uns bestmöglich vorzubereiten und werden alles daransetzen, unsere beste Leistung abzurufen. Es geht darum, mutig zu spielen, an unsere Stärken zu glauben und als Team geschlossen aufzutreten. Wir wollen zeigen, was in uns steckt.“

Personell hat sich im Vergleich zum Vorjahr einiges verändert. Brasilianerin Cecilia Jaques ist nicht mehr Teil des Kaders, zudem fehlt Antonia Woitsch verletzungsbedingt in der Abwehr. Besonders schmerzhaft bleibt der Ausfall von Engleder. „Im Angriff setzen wir daher auf zwei unserer U18-Spielerinnen, die viel Talent mitbringen und ihre Chance bekommen. Trotz dieser Veränderungen sind wir ein eingeschweißtes Team und wollen genau daraus unsere Stärke ziehen.“

Klare Zielsetzung

Was also ist möglich in Grieskirchen? „Unser großes Ziel für dieses Wochenende ist ganz klar eine Medaille. Wir wissen, dass das Niveau extrem hoch ist, aber wir fahren nicht dorthin, um nur mitzuspielen.“ Und dann schiebt Gutenbrunner noch einen Satz nach, der viel über dieses Team erzählt: „Wenn wir als Team funktionieren, unsere Emotionen aufs Feld bringen und den Heimvorteil nutzen, ist in Grieskirchen einiges möglich. Wir freuen uns riesig auf dieses Event und wollen jede Minute auf diesem internationalen Parkett genießen.“